WASSERSPORTMUSEUM GRÜNAU
im Sportmuseum Berlin
Senatsverwaltung für Inneres und Sport

Das Sportdenkmal



Entwurf für das Sportdenkmal - StahlstichEin besonderes Stück Geschichte stellt das Sportdenkmal dar. 1897/1898 erbaut, fiel das steinerne Denkmal von Architekt Bodo Ehrhardt 1973 der Abrißwut der DDR zum Opfer, die mit diesem steinernen Stück deutscher (Sport-) Geschichte nichts anfangen konnte.

Auf einer kleinen Landzunge gelegen, fiel es aufgrund seiner eigenwilligen Gestaltung und imposanten Größe von ca. 15m als Landmarke schnell ins Auge.

Zu Ehren des 100. Geburtstags von Kaiser Wilhelm I. wurde am
19. Juni 1897 der Grundstein für dieses Denkmal gelegt und schon schon 1 Jahr später das fertige Denkmal in Anwesenheit der kaiserlichen Familie feierlich eingeweiht. Zur Grundsteinlegung konnte KW.II leider nicht anwesend sein, er war "verhindert", bedankte sich jedoch am Tage danach mit einem Telegramm bei den Initiatoren des Sportfestes und der Denkmalsgründung.

Die deutschlandweiten Festtage vom 21. bis 23. März 1897 (zu Ehren des bereits 1888 verstorbenen KW. I) wurden im Juni des gleichen Jahres durch ein drei Tage andauerndes Allgemeines Deutsches Sportfest ergänzt. (Centenar Sportfest mit Wettkämpfen des Pferde-, Wasser- und Landsportes)

Der 19. Juni 1897 wurde zum Wassersport-Festtag ausgerufen, die traditionellen Strecke der »Großen Grünauer« lieferte den perfekten Rahmen. Angesichts der deutschlandweiten Welle von Grundsteinlegungen für Kaiser-Wilhelm-Denkmale war ein solcher Akt an der Regattastrecke fast schon naturgegeben. Die Grundsteinlegung selbst fand in festlichem Rahmen unter Anwesenheit von ca. 340 Sportlern und 46 Vereinen statt.

Die große Einweihungsfeier fand am 12. Juni 1898, dem zweiten Tag der Grünauer Regatta, statt. Kaiser Wilhelm II. reiste traditionsgemäß auf seiner Yacht an. 32 Vereine hatten ihr Erscheinen angekündigt, um der Zeremonie einen würdigen Rahmen zu verleihen. Der Kaiser lobte das Denkmal, vor allem aber den Standort des Monumentes.

Das Bauwerk war aus einzelnen, unterschiedlich großen Natursteinen um ein aus Ziegeln errichtetes Gewölbe herum aufgebaut worden. Das obere Drittel bildete eine Krone aus Sandsteinquadern mit vier jeweils mit einer Kette verbundenen Postamenten.
Einweihungs des Sportdenkmals am 12.06.1898
Der Sockel des Denkmals bestand aus nach einheitlichen Vorgaben beschrifteten unbehauenen Findlingen von ca. 300 Sportvereinen aus allen Teilen Deutschlands. Die betreffenden Steine trugen als Inschrift den Vereinsnamen und dessen Sitz.

Aufgerufen waren alle deutschen Sportvereine (sicher mehrere Tausend) und viele schickten dann auch wirklich Steine zum Bau des Denkmals ein. (150 Wassersportliche Vereine, 75 Landsportliche Vereine, 55 Pferdesportliche Vereine und 30 Jagdvereine)
Diese Steine machten das Denkmal auch zum Symbol deutscher Einheit, die unter KW I., wenn auch nicht unumstritten, entstanden war.

Am Denkmal selber befand sich an der Wasserseite zur Dahme hin eine aus 4 Sandsteinplatten gefertigte Widmungstafel (3,50m x 1,80m) mit der Inschrift:
"Wilhelm - Dem Großen - Der Deutsche Sport".
Eine aus 8 Stufen bestehende Steintreppe führte vom Sockel bis zur Inschrift hinauf, die später bis an die Seitenflächen des Denkmals ausgedehnt wurden.

Die Gesamtbaukosten wurden auf ca. 8000 - 10000 Mark beziffert, ein im Vergleich zu anderen Monumenten der Kaiserzeit bescheidenes Budget.

Einerseits war das Denkmal eine Würdigung für die Reichsgründung 1871 sowie die erreichte nationale Einheit Deutschlands und gleichzeitig Dank für die Förderung des Sports durch KW. I., andererseits auch Ausdruck für das Selbstbewußtsein einer jungen deutschen Sportlernation. Genutzt wurde das Denkmal als Mittelpunkt sportlicher Feierlichkeiten und Veranstaltungen aller Diziplinen.

Die endgültige Gestaltung der Denkmalsanlage erfolgte erst ein Jahr nach der Einweihung, indem rings um das Monument mit schmiedeeisernen Gittern verbundene Steinpfosten gesetzt wurden. Die Gitterumzäunung wurde ungefähr 1939 wieder entfernt, die Granitpfosten verbieben jedoch.
Sportdenkaml 1939 - Die umzäunende Kette ist bereits entfernt.
Schon kurz nach seiner Fertigstellung entwickelte sich das Denkmal zum beliebten Ausflugsziel, gefördert durch die Eröffnung der "Gaststätte am Sportdenkmal". Schulen nutzten es im Rahmen sportlicher Veranstaltungen und patriotischer Kundgebungen. Den Bedeutungswandel, weg vom nationalen Symbol hin zum "Sportdenkmal", verdanken wir jedoch der Nutzung des Monumentes durch viele Sportvereine für Zusammenkünfte und Feierstunden.

Nach 1918 entfielen die monarchistischen Kundgebungen komplett, der Sportcharakter trat ganz in den Vordergrund. Die Weimarer Republick und die Nationalsozialisten taten sich schwer mit der Übernahme des Denkmals, öffentliche Kundgebungen wurden dort nicht mehr abgehalten. Es wurde langsam still am Sportdenkmal.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden alle Denkmale einer Überprüfung hinsichtlich ihrer ideologischen Aussage unterzogen. Doch das Sportdenkaml kam ungeschoren davon, während viele andere Monumente aufgrund ihres nazistischen oder militaristischen Anliegens zerstört wurden. Sein sportlicher Charakter hatte es gerettet.

Doch schon in den 1950er Jahren änderte sich das, das Denkmal wurde nun als reaktionäre Hinterlassenschaft angesehen. Notwendigste Erhaltungsmaßnahmen wurden somit unterlassen, es dem Verfall überantwortet. Bis zu den Jahren 1958/59 wurden Steine und Steinplatten aus dem Sockel entfernt, Inschriften unleserlich gemacht. Die Inschrift der Widmungstafel wurde verfälscht, indem die Kaiser Wilhelm I. gewidmeten Zeilen herausgemeißelt wurden, so daß nur noch "Der Deutsche Sport" leserlich war.

Der schlechte Bauzustand durch unterlassene Instandsetzung (es Bestand Gefahr durch herabstürtzende Steine), die geplante Errichtung eines Trainingszentrums des SC. Berlin-Grünau und ideologische Motive führten so nach und nach zur Vernichtung des Denkmals. Sportdenkmal

Das trotzdem noch fast unversehrte Denkmal wurde im Frühjahr 1973 bei den Vorbereitungen der X. Weltfestspiele aus politischen Gründen in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen. Auf den Steinen befanden sich auch Namen von Städten, die nach 1945 nicht mehr zu Deutschland gehörten (Danzig, Breslau, Königsberg) und somit schon lange den Zorn der Oberen erregten. Man befürchtete außerdem, das westliche Delegationen der Weltfestspiele das Denkmal für Meetings ausnutzen könnten.

Die wahre Ursache könnte aber in der Zementierung der DDR als unabhängiger zweiter deutscher Staat gelegen haben, denn das Denkmal diente ja ursprünglich als Symbol für die Einheit der Nation und des deutschen Sportes. Es paßte nicht mehr in das sportpolitische Konzept und in das Selbstbewußtsein der DDR als deutscher Staat. Die Verehrung bürgerlicher Sportvereine und ehemaliger Ostgebiete entsprachen nicht dem neuen Staatsbild.


Die abgerissenen Steine wurden anderweitig vermauert, auf Müllkippen gefahren oder im Wasser versenkt. Aufmerksame Bürger retteten einige solcher Steine vor der sinnlosen Zerstörung. Die Abbrucharbeiten dauerten mehrere Tage an, so konnten unbemerkt und ohne Gefahr der Belangung einige Steine gerettet werden. Erst nach der Wende, im Jahr 1991, bargen dann Taucher noch einige wenige Steine aus dem Wasser.


 

 
Aus den Wassern der Dahme geborgene Steine des Sportdenkmals.

Schon direkt nach der Wende wurde ein Wiederaufbau des Denkmals erörtert, denn trotz Abriß war es nie aus dem Gedächtnis der Grünauer verschwunden. In den letzten Jahren entstanden einige interessante Entwürfe für einen Neubau des Sportdenkmals, die auch im Wassersportmuseum zu besichtigen sind.

Da die Originalsteine für einen Neubau nicht ausreichen, scheint der an der äußeren  Erscheinungsform und den Außenmaßen des alten Denkmals orientierte Entwurf eines Edelstahlskelettes in dieser Hinsicht als erfolgversprechend.



Entwürfe für einen Neubau des Wassersportdenkmals

Im Zeitraum 2003 bis 2005 wurde von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in Zusammenarbeit mit dem Wassersportmuseum ein neues Projekt ausgearbeitet. Die Diplomandin für Kommunikationsdesign Frau Jana Dörfelt schuf unter Leitung des Projektes durch Dozent Herrn Christian Geyer einen neuen und vielversprechenden Entwurf für ein wiedererstehendes Sportdenkmal.



Entwurf des Sportdenkmals von Frau Jana Dörfelt



Warum soll in Berlin-Grünau ein "Wassersportdenkmal" - ein Sportdenkmal für das Zusammenwachsen des deutschen Sports am Beispiel des Wassersports in Berlin - entstehen und wie soll es aussehen?



Einen kurzen Einblick in das Projekt "Sportdenkmal" vermitteln die folgenden beiden Acrobat PDF-Dateien.


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